18 Monate nach dem Rekord- Wie weit ist die elektrische Luftfahrt gekommen?

Im Sommer 2020 sind wir bis nach Norderney geflogen – und was die Medien dann schon nicht mehr so begleitet haben… Auch zurück. Ja, auf dem gleichen Weg! Je weiter Richtung Schänis, desto schlechter war das Wetter. (Der Kreis schliesst sich…) Mit dem gleichen logistischen Aufwand – nur mit deutlich weniger Kameras und Aufmerksamkeit von den Medien aber mit der gleichen Unterstützung der Community.

Ziel des Elektro-Weltrekord-Fluges war zu zeigen, das elektrisches Fliegen möglich ist. Das haben wir mit dem Flug nach Norderney geschafft. Wo steht die elektrische Luftfahrt heute, 18 Monte nach dem Rekordflug?

Wir hatten ein unvergessliches „once-in-a-lifetime“-Erlebnis! Wir sind noch immer unendlich dankbar für die magische Zeit mit Euch und Eure Unterstützung auf so vielen Ebenen. Wer jetzt Lust hat, nochmal in die Erinnerung einzutauchen, hier sind die Highlights des Elektroweltrekord-Fluges in einem wunderschönen, emotionalem Film zusammengeschnitten worden:

Rückblick auf Sommer 2020:

Wir haben das Projekt geplant, da hatten wir noch gar kein Flugzeug zur Verfügung. Es war wirklich ein ziemlich heisser Ritt. Als die Pipistrel Velis Electro, HB-SYE, endlich in der Schweiz war, alle Stempel in den Dokumenten waren, konnten wir das weltweit erste, EASA-zertifizierte Flugzeug fliegen. Von der Auslieferung, zum Training der Piloten, dem Transfer nach Schänis, dem folieren mit den Sponsoren-Aufklebern bis zum 31.08.2021 – dem offiziellen Start zum Weltrekord – vergingen wirklich nur ein paar Tage. Ab da wart ihr ja live dabei, der Rest ist Geschichte. Und was für eine. Danke Community!

Wo steht die e-Aviation 18 Monate später?

Inzwischen sind in der Schweiz 12 weitere Velis Electro auf 10 Standorten stationiert. Die AlpinAirPlanes unter der Leitung von Marc Corpataux betreibt die Flotte im Leasing-System und ermöglicht den interessierten Flugschulen ein Rundum-Sorglos-Paket für den Betrieb der elektrischen Flugzeuge.

Seit unserem Rekord-Flug sind unglaubliche 1000 Flugstunden zusammengekommen!

Auch wenn der Winter-Betrieb anfangs etwas Kopfzerbrechen bereitet hat (kalte Akkus sind genau wie bei den Autos auch für Flugzeuge hinderlich), ist nun auch ein problemloser Flugbetrieb in kalten Witterungsbedingungen möglich. Die Lösung ist einfach: Vor dem ersten Start wird der Flieger extern elektrisch vorgeheizt.

Bei kalten Temperaturen werden die Akkus mit einer externen Heizung elektrisch vorgewärmt. Die Heizung wird übrigens bei allen anderen kolbengetriebenen Flugzeugen ebenfalls verwendet, um den Motorblock vor einem Kaltstart zu schützen. Lediglich der orangene Adapter ist eine Eigenkonstruktion von Morell, um die warme Luft möglichst effizient in die Kühllufthutze zu führen.

Inzwischen hat sich auch der elektrische Schulbetrieb durch die Elektroflugschule.ch etabliert. Marco’s Erwartungen an die Auslastung der Flugschule wurden schon im ersten Jahr übertroffen und inzwischen fliegen eine Reihe von Flugschülern regelmässig in Schänis (LSZX) und auf den anderen e-Airbases in der Schweiz.

Eine Rundflug-Aktion bei der Platform „Passagierflug.ch“ und die „Schnupperflüge“ der elektroflugschule.ch sind auch noch im Herbst ein voller Erfolg und so konnten schon eine ganze Reihe Passagiere in den Genuss eines elektrischen Rundfluges kommen:

Wer jetzt auch Lust bekommen hat, kann hier seinen Rundflug oder seinen Schnupperflug (mit Fluglehrer) buchen. Wir freuen uns auf Euch und neben uns im Cockpit haben schon einige, aussergewöhnliche Persönlichkeiten Platz nehmen können. Es ist doch immer wieder faszinierend, welches positive Mindset, welche Begeisterung für neue Technologien und welche Faszination an Innovationen hier zusammenkommen.

Das neue „Normal“: Daily Operations mit Elektroflugzeugen

Was für viele noch weit in der Zukunft scheint, ist für uns das „Neue normal“: Elektrische Rundflüge über die Alpen, eine seriöse und professionelle Pilotenausbildung, praktisch täglicher Flugbetrieb, alles wie auf jedem anderen Flugplatz auch, nur eben praktisch Lärm- und CO2-frei. Auf Vorträgen sagt Morell gerne: Die Elektrifizierung der Luftfahrt ist heute da, wo wir vor 10 Jahren mit den e-Autos waren. Was klar ist: In Zukunft wird es mehr und mehr elektrische Flugzeuge geben, die auch in Zukunft grösser werden, mehr Sitze haben werden und grössere Distanzen elektrisch überbrücken werden können. Damit wird der Einsatzbereich grösser, als er heute mit dem Schulflugzeug ist, das für den Anfang der Pilotenausbildung perfekt geeignet ist: Platzrunden und Flüge mit weniger als 1h Flugdauer.

Stand heute

Schweiz

Bisher können wir noch recht beschränkt von A nach B fliegen, da es im Gegensatz zu Tankstellen verhältnismässig wenig Ladestationen gibt. In der Schweiz ist die Situation noch am Besten, da mit dem e-Grid und den 10 Standorten von e-Flugzeugen auch die dazugehörigen Ladestationen verfügbar sind. In der Schweiz sind die Distanzen zwischen den Flugplätzen dazu noch vorteilhaft kurz und so können wir z.B. schon von Schänis nach Lommis fliegen und die Kollegen „nebenan“ besuchen und so kommen auch Flugschüler schon in den Genuss, einen auswärtigen Flugplatz mit dem e-Flugzeug anfliegen zu können. Bald wird auch die erste Ladestation, ohne das am Ort ein e-Flugzeug stationiert ist, aufgebaut sein. Ich freue mich schon auf den ersten elektrischen Anflug auf St. Gallen Altenrhein. Damit könnte man dann sogar mit dem e-Flugzeug auf einen „richtigen “ Verkehrsflughafen fliegen, mit Kontrollzone, Tower, Freigaben und alles. Was in der Schweiz das etablierte e-Grid ist und auf die grossartige Initiative von Marc Corpataux und der AlpineAirPlanes.ch zu verdanken ist, habe ich mir in Deutschland vorgenommen.

Deutschland

In Deutschland sind immerhin schon 3 Pipistrel Velis Electro stationiert: Eine in Frankfurt Egelsbach bei der Panorama Air und zwei weitere bei der FH Aachen als Forschungsobjekte.

Niederlande

Die Niederländer sind auch schon dran und haben neben einer elektrischen Flugschule auch 5 Weitere Ladestationen angeschafft um damit ihr schönes (Flach-)Land zu erschliessen. Die ersten Pläne Richtung Rheinland sind schon in Arbeit und würden perfekt an die FH Aachen anschliessen.

Australien

International ist das australische Projekt bekannt geworden, die Australier sind mit einer Pipistrel Alpha Electro quer durchs Outback geflogen. Ein beeindruckendes Projekt in den Fussstapfen des Elektro-Weltrekord-Fluges, allerdings etwas einfacher gehalten: Wer einen Diesel-Generator mit auf die Reise nimmt, hat nur einen Teil der Challenge angenommen, finden wir.

England

auch in England gibt es ein ähnliches Projekt wie die elektrische Flugroute: Die Nebo Air betreibt eine Pipistrel Velis Electro und träumt ebenfalls davon, Zubringerdienste rund um London anzubieten.

Wer in engen Kontakt mit allen Piloten, Betreibern und Nutzern von Elektroflugzeugen kommen möchte, dem sei der e-Aviation-Slack ans Herz gelegt:

In Zukunft: Electric Flight Route

Kontakte nach Stuttgart, Frankfurt und Friedrichshafen

Was als „Electric Flight Route“ in 2021 angefangen hat, wird sich in 2022 weiterentwickeln:

Gemeinsam mit einem der Sponsoren des Elektro-Weltrekord-Fluges, der Windpower GmbH , wird sich das Projekt für den Aufbau von PV-Anlagen schwerpunktmäßig auf Flugplätzen einsetzen. Mit dem Ertrag aus den PV-Projekten (Verkauf von Strom über die Laufzeit) können Elektroflugzeuge finanziert werden.

Kurz gesagt:

Die „Electric Flight Route“ verschenkt ein Elektroflugzeug, an jeden, der im Austausch 5ha PV-geeigneten Flächen überlässt.

https://electric-flight-route.eu/

50.000 m2 klingen im ersten Moment nach einer riesigen Fläche, aber wenn man sich die Brachflächen und Schutzbereiche von Flugplätzen anschaut, die man sonst nicht verwenden kann, ist es schon gar nicht mehr so viel. Selbst ein kleinerer Regionalflugplatz mit Landebahnlängen um die 1000 m hat häufig diese Fläche am Flugplatz-Rand zur Verfügung. Diese Fläche muss heute vor allem gemäht und hindernisfrei gehalten werden und kostet vor allem Geld. Mit Hilfe des Projektes „Electric Flight Route“ können diese Flächen in Pachterträge umgewandelt werden. Ab 5ha rechnet sich der Ertrag soweit, das wir eine Pipistrel Velis Electro verschenken können.

Auch wenn „erst“ ab 5 ha ein e-Flugzeug bei rausspringt, auch kleinere Flächen rechnen sich: Jedes Hektar zählt. Nicht nur fürs Portemonnaie sondern auch für die Energiewende. Grössere natürlich auch. Mit der Windpower ist ein erfahrener Projektpartner und Sponsor an Board, der die Mittel und Fähigkeiten hat, solche PV Anlagen aufzubauen. Auf Seiten der Flächenbesitzer, Flugplätze, Betreibergesellschaften, Kommunen ist kein Investment nötig. Windpower bringt das Eigenkapital, das Knowhow und die Umsetzungskompetenz mit. Wer jetzt Interesse hat, seine Fläche von uns untersuchen zu lassen, schreibt uns eine Mail: mw@morell.io

Wer jetzt neugierig geworden ist, wie so ein Projekt auf einem Flugplatz aussehen könnte:

Referenzprojekt Flugplatz Burg Feuerstein

Weitere Details zur Electric Flight Route werden in den nächsten Tagen auf der Projekt-Webseite electric-flight-route.eu publiziert werden. Vor allem nach dem 14.12.2021 wird es spannend: Dann wird das Projekt in Berlin präsentiert. In 2022 möchte ich mindestens 3 Elektroflugzeuge verschenken können. 15ha PV geeignete Fläche sollte sich doch finden lassen?

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